Römerstadt Avenches – Bericht 20. Museumssonntag
Heute treffen wir uns bereits zum 20. Mal, um uns museal zu vergnügen. Den Champagner haben wir zwar vergessen, dafür hat Res für uns ein imperiales Programm vorbereitet (an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für die Organisation): Gemeinsam mit einer geschätzen Legion Murtenläufer fahren wir der Römerstadt Aventicum entgegen. Zwar heisst der Ort heute Avenches, doch die römischen Spuren sind weiterhin bestens sichtbar.
Vor allem das – teilweise heftig rekonstruierte – Amphitheater beeindruckt Touristen (und Konzertbesucher) von nah und fern.
Im einführenden Kurzvortrag hören wir von einigen Daten und Zahlen, die uns sogleich zu angeregten Diskussionen veranlassen: Das Amphitheater soll 16’000 Besuchern Platz geboten haben. Passte das tatsächlich zu den damaligen Einwohnerzahlen und welche Ausstrahlung hatte die Römerstadt?
Tatsächlich wird die um den Beginn unserer Zeitrechnung gegründete Stadt in zeitgenössischen Quellen als “gentis caput”, also als Hauptstadt der Helvetier erwähnt. Aventicum dürfte also zumindest regional durchaus eine wichtige Rolle gespielt haben. Trotzdem fragen wir uns, ob das Theater für den tatsächlichen Gebrauch nicht überdimensioniert war und auch ein Prestigeprojket darstellte, um Grösse zu markieren.
Auf der Suche nach den Thermen irren wir durch unrömische Wohnquartiere und entdecken dabei zwar durchaus einen Pool, der dürfte aber neueren Baudatums sein…
Wir verzichten also auf einen Sprung ins kühle Nass und wenden uns dem imposanten Cigognier-Heiligtum zu. Die ursprüngliche Tempelanlage liegt heute allerdings ziemlich platt in der Landschaft. Einzig eine Säule zeugt davon, dass das Gebäude einst auch in der dritten Dimension stattlich war.
Angebetet wurden dort übrigens keine Störche, auch wenn der Name (von franz. cignogne, “der Storch”) dies vermuten lassen könnte. Dieser stammt jedoch von einem Storchennest, das sich von 1642-1978 auf dieser letzten Säule befunden hatte. Der Fund einer Büste des römischen Kaisers Mark Aurel (prominenter Stoiker, heute vor allem bekannt aus zahlreichen sinnigen, häufig mit Marienkäfern oder Sonnenblumen gezierten Aphorismenbüchern) lässt indes darauf schliessen, dass hier nebst verschiedenen romanisierten helvetischen Gottheiten auch der römische Kasier verehrt wurde.
Unser nächste Station liegt etwas weiter südsüdöstlich: Auch wenn vom ehemaligen Theater heute ebenfalls nur noch Reste sichtbar sind, lassen diese auf grössere Zuschauerzahlen schliessen als “Sternstunden Philosophie” und “Bernd das Brot” zusammengezählt erreichen dürften. Wo die Qualität der gezeigten Veranstaltungen eher anzusiedeln war, liess sich auf die Schnelle nicht eruieren (zumal ich erstere Sendung nur aus dem Programmheft kenne). Indes beschliessen auch wir, unser (Sandwich) Brot mit Spielen zu veredeln und führen am ehrwürdigen Ort einige Scharade-Runden durch. Ganz offensichtlich wirkt dabei die römische Umgebung inspirierend auf die pantomimisch dargestelten Filmrätsel (nur “Batman” wirkte etwas deplaziert – auch wenn dessen regloses Verharren auf Dachzinnen bisweilen durchaus auch als “stoisch” gedeutet werden könnte…)
Frisch gestärkt macht sich ein Teil der Gruppe daran ein nahe gelegenes Feld auf römische Reste zu untersuchen. Der Beweis, dass die anschliessend stolz in der Runde gezeigten Funde tatsächlich dem Präikeanischen-Zeitalter entstammen ist allerdings erst noch zu erbringen.
Wir runden unterdessen unseren Besuch mit der Besteigung des Turmes beim Osttor ab und wandern weiter nach Murten, wo wir für die Strapazen der Wanderung mit einer einzigartigen Köstlichkeit belohnt werden: Man serviert da hausgemachten sauren Most, der nicht nur süss ist, sondern auch nach Birnen schmeckt… Prost – auf die nächsten zwanzig!
| Infos Ort: Avenches Datum: 04/10/2009 Mehr: Römerstadt Avenches |

