Barocke Popkultur – Bericht 33. Museumssonntag
Die Ausstellung „Styling im Barock“ will gleichzeitig provozieren und Brücken schlagen. Das beginnt schon im Titel: Dürfte doch die eine oder andere Koryphäe indigniert die Nase rümpfen, wenn sie ein Neudeutsches Wort nur getrennt durch ein kleines Füllwort von ihrem geliebten Fachgebiet sieht. Ob andererseits der Brückenschlag zur Zielgruppe gelingt, die zwar sehr viel Zeit ins Styling investiert, Barock aber bestenfalls für einen obskuren Musikstil hält, wollen wir bei unserem Besuch herausfinden.
Kultur im Keller
Wir steigen also in den eher schummrig beleuchteten Keller der Burg Zug hinab. Als erstes fällt unser Blick auf das auffällig inszenierte Kronepaar mit Zepter. Eine der Ausstellungsmacherinnen begleitet uns heute und erklärt uns, dass dieses Exponat gleich zu Beginn ins Thema „Barock als Zusammenspiel von Kirche und Hof“ einführen soll. Tatsächlich mangelt es in der Ausstellung nicht an opulent gestalteten Objekten geistlicher Kunst – der Zusammenhang zur lokalen Hofkultur ist dagegen nicht immer offensichtlich.
Stars des Barock und heutige Ikonen
Dafür findet man immer wieder mehr oder weniger diskrete Hinweise auf Parallelen in der Inszenierung von barocken „Stars“ und heutigen Ikonen: So zeigt eine Bilderwand Andachtsbilder und Heiligendarstellungen aus vergangen Jahrhunderten. Wer den Blick dann noch ein bisschen aufwärts gen Himmel hebt, kann an der Decke Poster von Prominenten aus der heutigen Zeit andächtig bestaunen. Dazu gehören etwa Amy Winehouse (deren Frisur alleine durchaus Rokoko-Assoziazionen wecken kann) oder Barack Obama (ohne Zweifel ein Inszenierungskünstler – weniger opulent zwar, aber dafür möglicherweise mit mehr andächtigen Anhängern). Wieso ausgerechnet Kevin Kostner (wer erinnert sich noch an den?) ebenfalls einen Platz im Promi-Himmel erhielt bleibt ungeklärt.
An anderer Stelle stehen sich ein barockes Grabtuch flankiert von Totenlaternen und eine Videoaufzeichnung von Michael Jacksons farbenfroher Begräbnisfeier gegenüber. Weiter zeigen die Kuratoren als Analogie zur mittelalterlichen Reliquiensammlerei, die bisweilen makabre Blüten trieb, eine Wand mit Autogrammkarten von Stars des 20. Jahrhunderts.
Fragen auf der leeren Brücke
Das sind auch die Stellen des Rundgangs, wo die interessantesten Fragen aufkommen: Welche „Styling-Tipps“ bzw. Inszenierungsmethoden aus dem barocken Erbe leben auch heute noch weiter? Wen vergöttern wir heute und wer waren die Stars von damals – und was sagt der Wandel unserer Vorbilder über den gesellschaftlichen Wandel aus?
Davon hätten wir gerne noch mehr gesehen in der Ausstellung. Vielleicht hätte es dann auch geklappt mit dem Brückenschlag, denn während unseres Besuches tauchten weder Koryphäen noch Angehörige der „Generation Style“ auf…
| Infos Ort: Zug, Burg Zug Datum: 31/10/2010 Mehr: Museum Burg Zug |