Ab in den Süden – James Cooks Reisen im Historischen Museum Bern – Bericht 35. Museumssonntag
Im Dezember ist die Museumszeit-Mannschaft wieder fit. So fit, dass sie gleich das Steuer übernimmt und zielstrebig aufs historische Museum Kurs nimmt, um den Besuch in der Ausstellung über James Cook (1728-1779) nachzuholen.
Der Einstieg: Inszenierung und Logistik
Gleich am Eingang zur Ausstellung fesselt das Portrait des grossen europäischen Entdeckers unsere Aufmerksamkeit und wirft Fragen zur (Selbst-)inszenierung auf: Da sitzt Cook, Finger auf der Karte mit den von ihm gefundenen Inseln, den Blick selbstbewusst am Betrachter vorbei gerichtet in feinster Admirals-Uniform, die aber nicht einmal richtig zugeknöpft ist. Ein malerischer Fingerzeig? Nachlässigkeit? Oder gar eine uns unbekannte Seefahrer-Tradition?
Wir lassen die Frage offen und bestaunen ein paar Schritte weiter die Modellschiffe mit der davor ausgebreiteten Ladung für die Expeditionsfahrten. Die Reisen waren ohne Zweifel ein Meisterstück an Logistik, ebenso wie an Disziplin (und notfalls Disziplinierung). Daran erinnern viele kleine Hinweise in der ganzen Ausstellung immer wieder.
Die Reisen: Unendlich und begegnungsreich
Das grosse Staunen gehört jedoch den zahlreichen exotischen Objekten, die Cook von seinen Reisen mitgebracht hat. Er und seine Mannschaft sammelten alles Mögliche angefangen bei simplen Dingen des Alltagsgebrauchs bis hin zu religiösen Kultgegenständen. Doch nicht nur Materielles eigneten sich die Europäer an: Auch interkulturelle Erfahrungen durften und mussten die Europäer in verschiedenster Ausprägung machen. Sehr hilfreich (und vermutlich das eine oder andere Mal gar lebensrettend) dürfte sich die Begleitung des Polynesen Tupaia erwiesen haben. Dieser gesellte sich auf den Gesellschaftsinseln zur Mannschaft Cooks und unterstützte sie als Navigator und Übersetzer.
Einen anderen Polynesier namens Omai nahm die Mannschaft auf ihrer zweiten Reise in die Südsee sogar mit zurück nach England, um ihn dort als “edlen Wilden” in der vornehmen Gesellschaft herumzuzeigen. Offenbar genoss Omai, der in seiner Heimat zur unteren Gesellschaftschicht gehört hatte, nun aber als Prinz dargeboten wurde, den neuen Ruhm durchaus. Die Geschichte hat aber kein glückliches Ende: Cook brachte Omai auf seiner dritten Reise wieder zurück und stattete ihn materiell gut aus – doch offenbar gelang es diesem nicht, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren, und er starb nicht viel später marginalisert.
Die Schiffe Resolution und Adventure in Matavai Bay
Die dritte Reise war auch für Cook seine letzte: Nachdem er auf Hawaii offenbar zunächst in einem Fest zu Ehren des Gottes Lono ehrenhaft empfangen worden war, erlitt sein Schiff kurz nach der Abreise einen Mastbruch, und Cook entschied zur Reparatur zurück zu kehren. Dies passte nun offenbar nicht das vorgegeben Ritual der Einheimischen. Es kam zum Konflikt bei dem Cook getötet und anschliessend ehrenhaft in Stücke zerteilt und an wichtige Häuptling der Umgebung versandt wurde…
Fazit: Proviant mitnehmen!
So zeigt die Ausstellung nebst den gross angepriesenen Objekten insbesondere das trotz Cooks tragischen Endes insgesamt doch erstaunlich erfolgreiche Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Kulturen aus zwei entgegen gesetzten Erdgegenden.
Wohl eher unfreiwillig bringt sie den Besuchern auch die unendlich scheinende Dauer solcher Expeditionen näher: Schon ganz ermattet erreichten wir nach mehreren Stunden einen Ausgang, nur um festzustellen, dass wir gerade mal die erste Reise nachvollzogen hatten – zwei weitere (wenn auch geraffter präsentierte) standen uns noch bevor… Eine Ausstellung also bei der es sich durchaus lohnen könnte, sich vorher mit Schiffszwieback zu verproviantieren.
| Infos Ort: Historisches Museum, Bern Datum: 18/12/2011 Mehr: Ausstellung “James Cook und die Enteckung der Südsee” |