“As time goes byte” – Bericht 34. Museumssonntag
Ein bisschen Südseezauber wollten wir in den kalten Winter holen und die Ausstellung zu James Cook besuchen. Doch dann lag die ganze Museumszeit-Mannschaft bis auf den Steuermann krank im Bett (immerhin nicht mit Skorbut, sondern mit den üblichen saisonalen Krankheiten). Also beschliesse ich spontan einen Kurswechsel und besuche die Ausstellung „As time goes Byte“ im Museum für Kommunikation.
Schneller, besser, kleiner – Computerentwicklung im Zeitraffer
Der Rundgang durch die Geschichte des Computers beginnt mit den Kolossen aus der digitalen Urzeit – also in den 1950er Jahren.
Die Leute, bei denen der Anblick eines Röhrencomputers Begeisterungsschübe auslöst, sind zwar vermutlich eher dünn gesät; interessant auch für technische Laien dürften indes die Bezüge zur Schweiz sein, die eng in die chronologische Einführung eingewoben sind. Unfreiwillig komisch wirkt der Palm Handheld-Computer, der zum Vergleich neben dem kastenförmigen Ungetüm steht, das Mitte des 20. Jahrhunderts an der ETH entwickelt wurde: Tatsächlich kann der Handheld mehr als der Hochschulrechner von damals – allerdings ist auch er schon wieder veraltet. Dies zeigt drastisch, wie schnell die Entwicklung in diesem Bereich immer noch fortschreitet. Auch Facebook erschien den Ausstellungsmachern 2007 (!) noch keine Erwähnung wert. Heute ist die Plattform zweifellos eines der zentralen Phänomene des Internets.
Je weiter man in der Ausstellung voranschreitet, desto kleiner werden auch die Computer. Dennoch dürften frühe portable Modelle, die damals als extrem fortschrittlich galten, in erster Linie belustigtes Kopfschütteln hervorrufen.
Design und Digitaler Graben
Die Ausstellung zeigt übrigens nicht nur Technik, sondern auch Entwicklungen im Design und wirft weiter gesellschaftliche Fragen im Umgang mit Daten auf. Sie thematisiert Problematiken wie die der langfristigen Datenspeicherung oder des “digitalen Grabens”, der einmal mehr ärmere Weltregionen gegenüber den reichen Ländern des Nordens benachteiligt.
Spielwiese für Nostalgiker und Futuristen
Zum Ausklang wirds dann aber wieder verspielter: Im letzten Raum stehen einige Stationen mit Spielen für den legendären Commodore 64 bereit, und man kann sich – je nach Alter nostalgisch berührt oder archäologisch aufgeschlossen – mit allfälligen Begleitern beispielsweise in den “Summer Games” messen. Das Highlight wartet aber in einem abgedunkelten Raum auf neugierige Besucher, und hat eigentlich nur mittelbar etwas mit der Ausstellung zu tun: Der “Reactable” ist ein spezielles Instrument, mit dem man aus vorgefertigten Klang- und Filterelemente mit etwas Geschick ganze Symphonien zaubern kann.
Fazit: Eine Ausstellung nicht nur für Nerds
Während ich die letzten Sonderausstellungen des Museums für Kommunikation eher fade bis schlampig-tendenziös fand, kann ich diese Dauerausstellung besten Gewissens empfehlen. „As time goes byte“ bietet interessante Informationen und möglichkeiten selber etwas zu machen. Die Ausstellung ist vielseitig, verliert aber trotzdem nie den roten Faden. Natürlich dürfte sie vor allem Computer-Freaks (szeneintern spricht man übrigens zurzeit bevorzugt von „Geeks“, allenfalls leicht abschätzig von „Nerds“) begeistern. Man muss jedoch keineswegs einen Doktortiel in theoretischer Mathematik haben, um die Ausstellung geniessen zu können und dank der vielen Möglichkeiten, selber etwas auszuprobieren, eignet sie sich auch bestens für Kinder.
Um einen Eindruck von der Ausstellung zu erhalten muss man übrigens – Computer sei Dank – nicht einmal nach draussen gehen. Dieses Video zeigt einen Rundgang durchs Museum:
As Time Goes Byte – Neue Dauerausstellung im Museum für Kommunikation from iart interactive on Vimeo.
| Infos Ort: Bern, Museum für Kommunikation Datum: 28/11/2010 Mehr: Museum für Kommunikation – Ausstellung “As time goes byte” |

