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Ausgezeichnetes Design – Ausstellung zum Eidgenössischen Preis für Design – Bericht 36. Museumssonntag

13 März 2011

(cf) Was haben Gurkengläser und Stoffwürste gemeinsam?  Man kann für beide einen Designpreis gewinnen. Wie das genau geht wollten wir an der Austellung „Designpreise der Schweizerischen Eidgenossenschaft“ herausfinden.

Design doppelt ausgezeichnet

Diese Ausstellung, kuratiert vom Bundesamt für Kultur, führt im Zürcher Museum für Gestaltung die Gewinner des „Eidgenössischen Preises für Design“ und des „Grand Prix Design“ zusammen. Beide Preise verleiht die Eidgenössische Designkommission an Designer, die über einen Schweizer Pass verfügen. Der „Grand Prix Design“, seit 2007 verliehen und mit 50’000 Franken dotiert, versteht sich als Anerkennungspreis und ist mit dem Anspruch verbunden, Designer mit internationaler Ausstrahlung auszuzeichnen. Im Jahr 2010 wurde diese Anerkennung Susi Berger (Möbeldesign), Sonnhild Kestler (Textildesign), Otto Künzli (Schmuckdesign) und Jean-Luc Godard (Filmeffekte) zuteil. Dem „Eidgenössischen Preis für Design“ hingegen liegt ein Wettbewerb zu Grunde; dieser Preis ist als Förderung gedacht und wird seit 1918 an Designschaffende unter 40 Jahren verliehen. Den Ausgezeichneten steht die Wahl offen zwischen einem Preisgeld in der Höhe von 25’000 Franken und einem sechsmonatigen Auslandstipendium. Im Jahr 2010 sind 240 Arbeiten eingereicht, 28 davon ausgezeichnet worden. Die gattungsspezifische Verteilung ergibt dabei folgendes Bild: Graphikdesign: 11 / Modedesign: 6 / Photographie: 5 / Produktdesign: 4 / Schmuck: 1 / Szenographie: 1. Der hohe Anteilung an ausgezeichneten Graphikdesignern, erklärt uns die Kunstvermittlerin, lässt sich von der Anzahl eingereichter Arbeiten her erklären, die für diese Gattung weitaus höher ausfiel als für andere.

Design ohne Gattungsgrenzen

In der Ausstellung stehen die Objekte ohne Rücksicht auf bestehende Gattungsgrenzen nebeneinander. Nur in Hinblick auf die beiden verschiedenen Auszeichnungen haben die Ausstellungsmacher eine Trennung herbeigeführt – eine Trennung, welche die kluge Szenographie von Nicolas Le Moigne unterstreicht: Unter Zuhilfenahme von Spannbändern, wie sie im Transportwesen Verwendung finden, gliederte der Lausanner Designer den hallenartigen, lediglich von Pfeilern durchbrochene Raum in einzelne Bereiche; zugleich leiten die jeweils mehrfach zwischen den Pfeilern gespannten Bänder die Besucher durch die Ausstellung.

Blick in den Ausstellungsraum mit Packgurt-Leitsystem

Blick in den Ausstellungsraum mit Packgurt-Leitsystem

Diese beginnt mit Arbeiten des Möbeldesigners Moritz Schmid und endet mit den Bühnenbildern von Martin Zimmermann und Dimitri de Perrot. Dazwischen folgen Fotografien auf Stoffe, Schmuckstücke auf Schrifttypen, Gläser auf Kleider. Jedes dieser Objekte soll für sich genommen ein Beweis sein für die hohe Qualität des helvetischen Designs. Leider erschliesst sich dem Betrachter diese Qualität nicht in jedem Fall. So stellen wir das innovative Potential, das die Jury der Fotoserie „Séduction“ von Cyril Porchet zuschreibt, entschieden in Frage, indem wir die hervorstechenden Charakteristika der Serie – die technische Qualität der Fotografien und der sich wiederholende Bildausschnitt – auf Fotografien des 20. Jahrhunderts zurückführen. Die Charakteristika haben ihre Herkunft in den Fotoserien von Hilla und Bernd Becher aus den 1970er-Jahren; die Verfahrensweise der Bechers haben seither verschiedene Fotografen, allen vor allem die Becher-Schüler wie Thomas Struth und Thomas Ruff, weitergeführt. Unter diesen Vorraussetzungen erscheint Cyril Porchet lediglich als ein Multiplikator einer längst etablierten Bildsprache. Etwas ratlos stehen wir vor seinen Bildern.

Design im Elfenbeinturm?

Dieser Ratlosigkeit, die sich auch an anderer Stelle nicht verdrängen liess, ist es geschuldet, dass die Ausstellungsmacher ihr gestecktes Ziel, das Interesse eines grösseren Publikums für das Schweizer Design zu befeuern, verfehlen dürften. Es steht zu bezweifeln, dass die Ausstellung ausserhalb eines recht begrenzten Kreises von Designliebhabern und vielleicht Gelegenheitsbesuchern wahrgenommen wird. Doch selbst wenn: Was die Akzeptanz der ausgestellten Objekte bei einem grösseren Publikum erschwert, ist gerade das, was sie aus der Warte der Jury auszeichnen mag: ihre funktionale wie ästhetische Untauglichkeit im Alltag. Vor allem in Hinblick auf Dominic Knechts Männerkollektion „Do not construct the fashion“ erweist sich dieses Problem als virulent. Zurecht ist während der Führung bemerkt worden, dass selbst Männer, die „Stärke und Sensibilität, Naivität und Coolness“ (Knecht) zugleich aufweisen, sich in dieser Kollektion kaum an die Öffentlichkeit wagen dürften. Der Graben zwischen dem Geschmack weniger Designkenner einerseits und eines grösseren Publikums andererseits vermag die Ausstellung nicht zu schliessen. Nur so lässt sich jedenfalls erklären, dass das Interesse an Tomas Krals veredelten Gurkengläser, die das Museum zum Verkauf anbietet, an diesem Sonntag gänzlich ausblieb.

Infos
Ort: Zürcher Hochschule der Künste, Zürich
Datum: 31/01/2011
Mehr: Swiss Design Award 
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